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Cannabis Medizin

Cannabis ist längst als Medizin anerkannt. Seine Wirkstoffe THC und CBD können Schmerzen, Entzündungen und weitere Beschwerden nachweislich gut lindern. Drei Betroffene berichten, aus welchen Gründen sie die Heilpflanze  benötigen und wie schwer es nach wie vor ist, Ärzte zu finden, die Cannabis-Arzneien verordnen.

Alles begann im Sommer 2010. Immer öfter vertrug der damals 15-jährige Manuel Raff das Essen nicht mehr. Ständig litt der Schüler an Durchfall und Bauchkrämpfen, plagten ihn schmerzhafte Hämorrhoiden. Als auch nach Wochen und Monaten die Beschwerden nicht abklangen, fanden die Ärzte im Krankenhaus die Ursache: Manuel leidet an Morbus Crohn, einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung. Sie verordneten ihm Kortison und Tabletten zum Magenschutz. Die halfen nur kurze Zeit. Da Manuel trotzdem an manchen Tagen bis zu 30-mal zum WC laufen musste, konnte er weder mit Gleichaltrigen um die Häuser ziehen noch seine Ausbildung abschließen.

Dass es ein wirksames Mittel gegen sein Leiden gibt, erfuhr Manuel zufällig, als er sich auf einer Geburtstagsparty überreden ließ, einen Joint zu rauchen. Während die berauschende Wirkung anhielt, waren die Beschwerden geringer. Doch er wollte sich nicht ständig zudröhnen. Und weil der Konsum von Haschisch und Marihuana zu der Zeit noch illegal war, ging er den steinigen schulmedizinischen Behandlungsweg weiter. Selbst die aggressiven monoklonalen Antikörper, die der Arzt ihm verordnete, als das Kortison seine Beschwerden nicht mehr linderte, nahm er zunächst trotz schwerer Nebenwirkungen klaglos ein. Als auch die Wirkung dieser Medikamente nachließ, begann er, selbst Hanf anzubauen und Cannabis pur ohne Tabak zu rauchen. Obwohl es ihm half, lehnte sein Hausarzt die Verschreibung von Cannabis weiterhin ab.

Erst nachdem 2017 der Bundestag einstimmig einen Gesetzentwurf zur Änderung betäubungsmittelrechtlicher Vorschriften verabschiedet hatte, wonach künftig schwerkranke Patienten auf Kosten der gesetzlichen Krankenversicherung auch mit hochwertigen Cannabis-Arzneimitteln versorgt werden können, fand er einen Arzt, der ihm ein Rezept für Cannabis-Extrakt ausstellte. Das medizinische Cannabis wirkte noch besser als die Hanfblüten, die Manuel zuvor geraucht hatte. Erstmals seit langer Zeit konnte er nachts durchschlafen. Gemeinsam stellten er und sein Arzt bei seiner Krankenkasse einen Antrag auf Kostenübernahme. Tatsächlich erhielt der junge Mann eine Zusage, denn: „Ich konnte genau belegen, dass jedes einzelne schwerwiegende Symptom mit Beginn meiner Selbstmedikation verschwunden war“, erinnert sich der inzwischen 28-Jährige. >> Mehr zu Manuel Raff

Ein breites therapeutisches Spektrum

Der heilsame Effekt von Cannabis beruht vor allem auf zwei Inhaltsstoffen, die sich neben Terpenen und Hunderten anderer Substanzen in der Hanfpflanze finden: THC und CBD. Die schmerzlindernde Wirkung lässt sich vor allem auf Tetrahydrocannabinol, kurz THC genannt, zurückführen. Das ist der psychoaktive Stoff, der Cannabis zur Droge macht. „Cannabidiol, besser bekannt unter der Abkürzung CBD, wirkt vor allem antientzündlich und antipsychotisch, ist aber im Unterschied zu THC kein gutes Schmerzmittel“, erklärt der Cannabis-Experte und Allgemeinmediziner Dr. Franjo Grotenhermen.

Für Patienten wie Manuel Raff, die an einer chronisch-entzündlichen Erkrankung leiden und zugleich starke Schmerzen haben, ist diese Wirkstoffkombination ideal. Doch nicht nur Darmbeschwerden bessern sich durch Cannabis. Das therapeutische Spektrum der Heilpflanze ist enorm breit. Es reicht von neurologischen Erkrankungen wie etwa spastischen Schmerzen bei Multipler Sklerose, Krampfanfällen bei Epilepsie und Bewegungsstörungen beim Tourette-Syndrom bis hin zu Übelkeit, Erbrechen und Appetit­losigkeit. Krebspatienten, die eine Chemo- oder Strahlentherapie durchmachen, und Schwerkranke, die Opiate einnehmen müssen, leiden weniger unter den typischen Nebenwirkungen der Behandlung. In vielen Fällen kann Cannabis auch bei psychischen Erkrankungen von Nutzen sein, bei Depressionen, posttraumatischen Belastungsstörungen, Zwangs- und Angststörungen. Diese sind in vielen Ländern inzwischen die zweithäufigste Indikation für die Verordnung von Cannabis. „Allerdings sind hierzulande viele Ärzte aus Unkenntnis über psychiatrische Erkrankungen beim Verordnen von Cannabis häufig zurückhaltend“, erklärt Dr. Grotenhermen. Aber auch bei vielen anderen Beschwerden, bei denen die Hanfpflanze oft erstaunlich gut wirkt, setzen aus Unkenntnis nur wenige Ärzte hierzulande Cannabis ein.

Den kompletten, ausführlichen Beitrag mit vielen wissenswerten Hintergundinformationen lesen Sie in unserem Magazin natürlich gesund und munter 05/2023

 

Foto: cyano66 / iStock.com