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Darm und Gehirn – ein tolles Team

Foto: laflor/iStock.com

Das Zusammenspiel von Darm und Gehirn ist ein faszinierendes Forschungsfeld. Doch wie funktioniert diese Darm-Gehirn-Achse? Die Antwort verändert unseren Blick auf die Ursachen vieler Erkrankungen – und unser Verständnis ganzheitlicher Gesundheit.

Wie der Darm das Gehirn beeinflusst: Beispiel einer Studie

Eine Studie der University of Oxford hat getestet ob und inwiefern das Mikrobiom des Darms mit dem Gehirn zusammenhängt. Die Studienteilnehmer sollten drei Monate lang jeden Morgen eine 5,5 Gramm schwere Kapsel mit Galactooligosaccharide, kurz GOS – ein Präbiotikum – schlucken. Bestimmt war sie für die im Darm ansässigen Bakterien, und zwar für besonders gesunde Stämme. Nach dieser Kur wollten die Forscher jedoch nicht untersuchen, ob es dem Darm besser geht oder ob Bauchbeschwerden abklingen. Stattdessen wollten sie herausfinden, wie sich diese  gesunden Darmbakterien auf die menschliche Seele auswirken.

Und tatsächlich änderte sich die Stimmung der Testpersonen; Die Menge des Stresshormons Kortisol in ihrem morgendlichen Speichel ging deutlich zurück – ein sicherer Beweis, dass ihr Stresspegel abgesunken war. Auch ihre Stimmung war nach der großzügigen Portion des Präbiotikum erheblich besser. Positive und negative Ereignisse wurden nun viel rosiger wahrgenommen.

Wie hängen Darm und Gehirn zusammen?

Was zunächst verblüfft, verwundert beim Blick auf die bahnbrechenden Erkenntnisse der Wissenschaft aus den letzten Jahren weniger. Denn inzwischen ist Folgendes bekannt; Die Stimmung unter den Darmbakterien bestimmt die Stimmung im Kopf wesentlich mit. Vermittler zwischen den beiden ist ein gigantisches Nervengeflecht im Bauch. Was auch immer bei seinen unzähligen Fühlern im Darm, seinen „Messstationen“, an Informationen eingeht, bewertet es und berichtet nach oben.

Dabei kooperieren zwei mächtige Gehirne in unserem Organismus; das allseits bekannte Hirn im Kopf und das Darmhirn (auch Bauchhirn gennant).

 

Das Zusammenwirken der beiden ist so eng, dass man sie fast schon als ein Organ verstehen kann“
- Gregor Hasler, Professor für Psychiatrie und Psychotherapie an der Universität von Freiburg in der Schweiz

 

Gregor Hasler ist Autor des Buches „Die Darm-Hirn-Connection: Revolutionäres Wissen für unsere psychische und körperliche Gesundheit“ (Schattauer Verlag). Die Wissenschaft entdeckt immer neue Verbindungen zwischen dem Gehirn und dem Darm samt dem Mikrokosmos der Darmflora.

So entsteht nicht nur ein völlig neues Bild von uns selbst, sondern auch von Gesundheit und Krankheit. Unser Wohlbefinden wird ganz wesentlich im Darm und durch die Darmbakterien geprägt. Es ist nämlich nicht allein der Kopf, der über unsere Vitalität und unser Seelenleben bestimmt. Vielmehr liegt es in unserer Körpermitte, wie wir uns fühlen – und sogar, wie gesund unser Gehirn selbst ist. Ob wir an Demenz, Alzheimer oder Parkinson erkranken oder mit einer autistischen Störung durchs Leben gehen, entscheidet sich im Darm. Wer sich mit der Frage beschäftigt, wie ein gesünderes, gelingendes und glückliches Leben möglich ist, kommt um das Thema Darmgesundheit also nicht herum.

Wie funktioniert die Darm-Gehirn-Achse?

Mit Blick auf die Evolution war das Nervenzellennetz um den Darm als zentrales Verdauungsorgan zuerst da. Schon Schwämme, die zu den primitivsten Lebewesen zählen, nehmen Nährstoffe über Einstülpungen auf. Einen Kopf oder ein darin liegendes Gehirn haben sie jedoch nicht. Dieses entstand erst später im Laufe der Evolution – ursprünglich als eine Art Außenposten des Darmhirns. Es ist also kein Wunder, dass diese beiden Körperteile bis heute eng zusammenhängen und ständig miteinander kommunizieren.

Verbunden sind Darmhirn und Kopfhirn durch den Vagusnervs. Diese ist quasi die „Datenautobahn“ der Darm-Gehirn-Achse. Und wer in dieser Darm-Hirn-Achse das Sagen hat, wird durch Folgendes deutlich; 90 Prozent der Nerven in diesem massiven Nervenstrang senden von unten nach oben, also vom Bauch Richtung Kopf. Nur über die restlichen zehn Prozent sendet der Kopf in Richtung Darm.

 

Gutes Beispiel der Darm-Gehirn-Achse: unser Hungergefühl

Und so läuft es ab; das Nervenzellengeflecht des Darms bewertet den Nährstoffgehalt der Nahrung, die wir gegessen haben (also den Nahrungsbrei). Fällt dieser bei der Prüfung durch, wird ein entsprechendes Signal gesendet. Das Kopfhirn meldet dann „Hunger“ und fordert damit zur weiteren Nahrungsaufnahme auf. Zeigen die Proben aus dem Speisenbrei hingegen einen guten Nährstoffgehalt, verströmt der Vagusnerv zur Belohnung Wohlgefühl, Entspannung und Vertrauen. Das passiert auch, wenn die Verdauungsarbeit ohne größere Störungen abläuft. Es verlängert sogar nachweislich das Leben, wenn der Vagusnerv regelmäßig in Hochstimmung ist, denn dann sind wir voll im Erholungsmodus und können das Leben genießen. Das ist auch biologisch gesehen folgerichtig; Ist unser Grundbedürfnis Nummer eins – das nach gesunder Nahrung – erfüllt, können wir entspannt loslassen.

 

Den vollständigen Beitrag finden Sie in der Ausgabe 4/2020


Weitere Aspekte in diesem Beitrag

  • Stress macht den Darm krank
  • Der große Angriff auf winzige Helfer
  • Die Darmflora die Arbeit des Gehirn und unsere psychische Gesundheit beeinflusst
  • Leaky-Gut-Syndrom: Wenn die Darmwand durchlässig wird
  • Probiotika / Präbiotika
  • Interview mit Dr. med. Johannes Weingart: Das Zentrum unserer Energie: der Dünndarm

 

Foto: laflor/iStock.com