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Hautbesänftigende Nachtkerze

Die Nachtkerze öffnet ihre Blüten erst in der Abenddämmerung und sorgt für leuchtende Farbtupfer im Dunkeln. Aus ihren Samen wird wertvolles Öl hergestellt, das die Haut bei Neurodermitis und Ekzemen beruhigt und auch in der Kosmetik sehr geschätzt wird.

Gewöhnliche Nachtkerze

(Oenothera biennis L.)

Die gewöhnliche oder auch gemeine Nachtkerze ist eine zweijährige, krautige und locker aufrecht wachsende Pflanze  aus der Familie der Nachtkerzengewächse. Sie wird zwischen 80 Zentimeter und fast zwei Meter hoch und besitzt eine fleischige, etwa 20 Zentimeter lange Pfahlwurzel. Im ersten Jahr bildet sie eine am Boden aufliegende Blattrosette, aus der im zweiten Jahr ein aufrechter Stängel wächst, der sich im oberen Bereich ästig verzweigt und an dem wechselständig verteilt leicht gezähnte, mittelgrüne Laubblätter sitzen. Die vielen gelben Blüten mit vier Kelchblättern und vier Kronblättern sprießen in dichten Blütenständen. Der Blütenbecher ist etwa drei Zentimeter groß. An der Rispe der Pflanze entwickeln sich von Juni bis September ständig neue Blüten, bis zu 120 insgesamt. Nach der Befruchtung bilden sich markante längliche, vierkantige, rund drei Zentimeter lange zylindrische Kapseln. In jeder von ihnen sitzen mehr als 200 winzige, dunkelgraubraune Samen.

Bei Einbruch der Dunkelheit geschehen in den Sommermonaten geheimnisvolle Dinge: Wenn andere Blüten sich in der Abenddämmerung langsam schließen, beginnen die hellgelben Blüten der Nachtkerze, sich zu öffnen. Von Juni bis fast in den Oktober hinein kann man das abendliche Spektakel der Nachtkerzenblüten beobachten: Sie falten sich innerhalb weniger Minuten in einer fließenden Bewegung auf und verbreiten, sobald sie sich vollständig geöffnet haben, einen intensiv süßlich-betörenden Duft. Manche empfinden ihn fast als penetrant, aber jede Menge Insekten wie Nachtschwärmer und Nachtfalter werden davon angelockt. Die Tierchen laben sich in aller Stille an den duftenden Blüten und bestäuben sie dabei. Dies geschieht im Sommer etwa 30 Minuten nach dem Öffnen. Wenn die Sonne am Morgen wieder am Horizont auftaucht, schwindet der Zauber allmählich, denn die Blüten verwelken noch vor der Mittagszeit. Bei keiner anderen in Mitteleuropa vorkommenden Pflanze ist ein solch plötzliches und schnelles Aufblühen zu beobachten. In Botanischen Gärten und Schulgärten ist die Nachtkerze deshalb auch immer wieder ein gern vorgeführtes Demonstrationsobjekt.

Diese bemerkenswerte Kuriosität und der aufrechte Wuchs, der an eine Kerze erinnert, verliehen der Pflanze ihren Namen. Man nennt die Nachtkerze aber auch Eisenbahnerlaterne, weil sie oft an Bahndämmen und entlang von Eisenbahnschienen wächst. Im Volksmund heißt sie zudem Nachtstern, Abendblume oder Rapontika. In England und Amerika ist sie unter dem charmanten Namen Evening Primrose bekannt.

Dekoratives Blühwunder

Um 1620 gelangte die ursprünglich in Nordamerika beheimatete Nachtkerze nach Europa. Sie zählt deshalb zu den Neophyten, also zu den Pflanzen, die in Gebiete gebracht wurden, in denen sie natürlicherweise nicht vorkommen. Hier kultivierte man sie zuerst als Zierpflanze in Parks und Gärten. Von dort aus wilderte sie in der Umgebung aus und verbreitete sich auf dem gesamten Kontinent, vor allem auf mageren, sandigen Böden und entlang von Böschungen, auf Ödland und brach liegenden Flächen. Im 19. Jahrhundert hat die Nachtkerze dann ihren festen Platz in bunten Bauerngärten gefunden, wo sie an warmen und sonnigen Standorten am besten gedeiht. Die hochgewachsene Pflanze ist ein wahres Blüh- und damit auch Samenwunder. Als Ausbreitungs­strategie für ihre nur ein tausendstel Gramm schweren Samen nutzt die Pflanze die sogenannte Semachorie: Das heißt, die Samen werden mit Hilfe ihres Flügelsaums als Flieger durch den Wind ausgestreut oder über das Fell vorbeistreifender Tiere weitergetragen.

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Foto: Das wilde Fotoarchiv