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Schleimhäute stärken und Lungengesundheit verbessern

Die Lunge ist leistungsstark und als „Grenzposten der Gesundheit“ entscheidend für unsere Immunabwehr. Indem wir unsere Schleimhäute stärken und uns bewusst ernähren, können wir sie bei ihrer Arbeit unterstützen. Denn dass müheloses Atmen keine Selbstverständlichkeit ist, merken wir erst dann, wenn es nicht mehr so reibungslos geht – zum Beispiel bei einem akuten Infekt oder einer chronischen Erkrankung.

Immunsystem und Lungengesundheit

Bild: CC0 / Nathan Oakley / Unsplash

Es gibt vieles, was Sie tun können, um Ihre Lunge zu schützen und zu stärken. Ob Asthma bronchiale, Allergisches Asthma, COPD oder Chronische Bronchitis, ob zur Vorbeugung von Infekten oder zum Auskurieren von Lungenerkrankungen: Der Lebensstil spielt eine entscheidende Rolle – im Positiven wie im Negativen. „So kann Schlafmangel und Stress Asthma verstärken“, erklärt der Pneumologe Dr. Volker Brauner. Guter, ungestörter Schlaf ist hingegen nicht nur für die Wärmeregulation der Schleimhäute enorm wichtig. Er führt auch zu einer besseren Regulation des Immunsystems – und ein gutes Immunsystem fördert wiederum die Lungengesundheit.

Sie fühlen sich häufig gestresst? Dann finden Sie hier 10 Tipps zum Abschalten für mehr Ruhe im Alltag.

Der Zusammenhang von Darm und Lunge

Der Grund, warum die Lunge von einer starken Abwehr profitiert, liegt im Darm, in dem 70 bis 80 Prozent aller Immunzellen beheimatet sind. Das Immunsystem in der Darmflora ist mit den Schleimhäuten in Nase-, Mund oder Bronchien eng vernetzt. Erstaunlicherweise hat die chinesische Medizin schon vor 3000 Jahren erkannt, dass Lunge und Dickdarm in enger Verbindung stehen. Warum das so ist, hat die Medizinwissenschaft erst in den letzten Jahren erforscht und besser verstanden.

Sowohl die Lunge als auch der Darm haben denselben embryonalen Ursprung“, erklärt der Pneumologe Dr. Martin Ehlers. Beide entwickeln sich aus dem embryonalen Urdarm, beide verfügen über röhrenförmige Hohlräume und eine Schleimhaut mit einem hochaktiven Mikrobiom. Zudem produzieren in beiden Organen die ansässigen Bakterien die kurzkettigen Fettsäuren Acetat, Propionat und Butyrat, die sogenannten SCAFs. Diese festigen die Verbindungen zwischen den Epithelzellen der Schleimhaut, die sogenannten Tight junctions.

Die Darm-Lungen-Achse

Bild: CC0 / Robina Weermeijer / Unsplash

Da beide Organe über die Darm-Lungen-Achse miteinander verbunden sind, kann erstaunlicherweise auch die Ernährung die Lungengesundheit positiv beeinflussen“, so Dr. Ehlers. Er vermutet, dass dieser Kommunikationsweg ebenso in umgekehrter Weise, also von der Lunge zum Darm, funktioniert. Beide Organe profitieren gleichermaßen von einer gemüse- und obstreichen Ernährung sowie vom Verzehr von Nüssen und Vollkornprodukten.

Auch zwischen Darm und Gehirn gibt es eine Verbindung; die sogenannte Darm-Gehirn-Achse. Mehr dazu lesen Sie in unserem Beitrag „Darm und Gehirn – ein tolles Team“.

Welche Lebensmittel sind gut für die Lunge?

Die Ernährung ist bei allen Lungenkranken ein großes Thema“, bestätigt auch der Lungenspezialist Dr. Volker Brauner. Eine Umstellung auf mediterrane Kost könne nicht nur zu Beginn einer Lungenerkrankung von Nutzen sein, sondern spiele auch bei fortgeschrittener Erkrankung eine große Rolle. Es gibt noch eine Reihe weiterer Nahrungsmittel, die die Gesundheit der Lunge stärken.

Brokkoli

Bild: CC0 / Disiana Caballero / Unsplash

Brokkoli als Gemüse gilt in Punkto Lungengesundheit als das Nonplusultra. Er enthält besonders viel Sulforaphan, ein Flavonoid, das nachweislich die Lunge vor Schadstoffen schützt, so das Ergebnis einer Doppelblindstudie aus China, die in einer schnell wachsenden Industrieregion durchgeführt wurde.

Präbiotika

Bild: CC0 / Mana5280 / Unsplash

Präbiotika aus Chicorée, Knoblauch und Zwiebeln, Lauch und Artischocken, Schwarzwurzeln sowie Topinambur liefern den nützlichen Bakterien das perfekte Futter, denn bei deren Abbau entstehen die wertvollen SCAFs.

Probiotika

Bild: CC0 / Burst / Pexels

Probiotika unterstützen die Vielfalt des Mikrobioms. Ob in fermentierten Milchprodukten wie Buttermilch, Joghurt, Kefir, beziehungsweise in rohem, eingelegtem Sauerkraut oder im Brottrunk – in all diesen Lebensmitteln tummeln sich jede Menge Bakterien, die sowohl die Darmflora als auch das Lungenmikrobiom unterstützen.

D-Mannose

Bild: CC0 / Joanna Kosinska / Unsplash

D-Mannose fördert das Wachstum der nützlichen Bakterien. Enthalten ist sie in Blau-, Stachel und Preiselbeeren sowie Kohlgemüse und Bohnen. Auch gut: Pektin aus Äpfeln.

Spermidin

Bild: CC0 / Fernanda Martinez / Unsplash

Spermidin unterstützt die Zellen dabei, beschädigte Teile loszuwerden. Dadurch kann es sogar helfen, bereits eingedrungene Sars-CoV-2 Viren abzuwehren. Deutsche Wissenschaftler konnten jedenfalls in einem Experiment nachweisen, dass Spermidin das Wachstum von Coronaviren in bereits infizierten Zellen hemmt. Dr. Ehlers rät deshalb, täglich Nahrungsmittel mit viel Spermidin zu verzehren. Hochkonzentriert sei es in Weizenkeimen enthalten. Gute Quellen sind auch Sojabohnen, Kürbiskerne, Pilze, Nüsse, Erbsen, Brokkoli, Blumenkohl, Mango, Äpfel und manche Käsesorten.

Schleimhäute stärken: 4 gute Tipps

In diesen Monaten, in denen nicht nur Erkältungen und Virusgrippe drohen, sondern auch die Gefahr sehr groß ist, sich mit einem Coronavirus anzustecken, ist es besonders wichtig, die Schleimhäute sowie die eigenen Abwehrkräfte zu stärken.

Schleimhäute stärken mit Zink und Vitamin D3

Zink und Vitamin D3 tragen nachweislich dazu bei, die Infektanfälligkeit zu vermindern. Während Vitamin C und Zink schon vorbeugend eingenommen werden können, sofern man sich an die jeweiligen Empfehlungen zur Dosierung hält, ist es laut Dr. Volker Brauner prinzipiell ratsam, den Vitamin- D3-Wert zuvor im Labor bestimmen zu lassen. Bei niedrigen Spiegeln seien höhere Gaben (bis zu 20 000 Einheiten) erforderlich. Wer den Wert nicht im Rahmen einer Blutanalyse bestimmen lässt, könne täglich ohne Bedenken 2000 Einheiten einnehmen. Vor einer Überdosierung müsse man sich nicht fürchten. Nur bei einigen Erkrankungen wie bestimmten Nierensteinleiden sei eine Einnahme von Vitamin-D3-Präparten allerdings nicht verträglich. In diesem Fall sollte der Arzt unbedingt zuvor konsultiert werden.

Bewegung und frische Luft

Bild: CC0 / Rinke Dohmen / Unsplash

Bewegung an der frischen Luft – am besten täglich – aktiviert die Durchblutung der Schleimhäute in der Nase und den Atemwegen. Besonders empfehlenswert: Spaziergänge am Meer, und zwar möglichst nah an der Meeresbrandung, oder im Wald. Am Meer schwirren feinste, salzhaltige Aerosole durch die Luft. Sie gelangen mit jedem Atemzug über Nase und Rachen tief in die Atemwege. Dort verbessern sie die Durchblutung und lindern Entzündungen und Schwellungen. Auch Allergiker und Menschen mit COPD, Asthma oder Bronchitis profitierten von dem reinigenden Effekt der Aerosole. Im Wald nehmen die Lungen Millionen Botenstoffe auf, die von den Bäumen produziert werden, um sich vor Erregern und Schädlingen zu schützen. Diese Phytonzide lassen auch beim Menschen die Zahl der Killerzellen ansteigen. Das verringert die Chancen zur Wirkung von Bakterien und Viren beträchtlich.

In unserem Beitrag „Spaziergang im Wald: Ruhe und Entspannung“ finden Sie eine Anleitung für Gehmeditation und wie Sie den Wald mit allen Sinnen genießen können.  

Schleimhäute stärken durch Saunabesuche

Saunieren aktiviert nicht nur die Immunzellen, die Hitze fördert auch die Durchblutung der Schleimhäute, erklärt Dr. Ehlers. Bei einem Saunaaufguss steigt zudem die Luftfeuchtigkeit deutlich an. Festsitzendes Sekret in den Atemwegen löst sich, und die Atmung fällt leichter. Wer sich nach dem Saunagang mit kaltem Wasser abkühlt, trainiert die Schleimhautdurchblutung und macht sie weniger erkältungsanfällig.

Lüften und Luftfeuchtigkeit

Bild: CC0 / Volant / Unsplash

Regelmäßiges Lüften sorgt für eine höhere Feuchtigkeit in den Innenräumen und somit für eine bessere Befeuchtung der Atemwege. Auch Zimmerpflanzen wie Zyperngras, echter Papyrus, Zimmerlinde und Zimmerbambus sorgen für mehr Luftfeuchtigkeit. Ideal sind 40 bis 60 Prozent.

Aromadiffusoren erhöhen die Luftfeuchtigkeit. Zudem docken die Duftmoleküle antiviral wirkender ätherischer Öle an den Schleimhäuten an und entfalten dort eine keimreduzierende Wirkung. Natürliche Aromaöle wie Zitrone, Orange, Weißtanne und Thymian (Demeter-zertifiziert von Taoasis; in Bioqualität, zum Teil aus kbA, von Primavera) reinigen die Raumluft und können sogar die Zahl der Erreger reduzieren, übrigens auch der Sars-CoV2-Viren. Anwendung: Mischen Sie die Öle in einer 5-ml-Braunglasflasche und geben Sie circa 5-8 Tropfen in einen Vernebler oder ins Wasser einer Duftlampe.

Mehr Infos rund ums Lüften und ein ideales Raumklima finden Sie hier:

Wenn es sie doch erwischt hat

Sowohl bei einer Virus-Grippe als auch bei der Covid-19-Infektion ist Bett- oder zumindest körperliche Ruhe, also Schonung, wichtig. Außerdem ist digitales Detox angesagt, denn Reizüberflutung gilt es ebenso zu vermeiden wie Stress. Außerdem sollten Betroffene heißen Kräutertee trinken, um die Durchblutung der Schleimhäute zu verbessern. „Je höher das Fieber, desto mehr muss getrunken werden“, so Dr. Ehlers.

Immunstärkende und schleimlösende Mittel

Bild: CC0 / Cornelinux / Pixabay

Bei einer Virusgrippe und einer akuten Bronchitis hält es der Lungenarzt Dr. Volker Brauner für ratsam, die Immunkräfte anzukurbeln. Auf Wunsch erhalten seine Patienten per Infusion eine hohe Dosis Vitamin C.

Bei Infekten verordnet er gern die Heilpflanze Kapland-Pelargonie (Pelargonium sidoide), da sie die Dauer eines Virusinfekts verkürzen und die Symptome lindern kann.

Bei einer akuten Bronchitis haben sich schleimlösende pflanzliche Mittel, etwa Eukalyptusextrakte, als lindernd erwiesen.

Bei Husten hilft Saft aus pflanzlichen Mitteln wie Spitzwegerich, Thymian oder Efeu. Dr. Brauner rät, diese anfangs möglichst hochdosiert einzunehmen.

 

Sie möchten Ihr Immunsystem natürlich stärken? Dann empfehlen wir folgende Beiträge:

Wickel und Auflagen

Bild: CC0 / Alesia Kozik / Pexels

In der Anthroposophischen Medizin zählen Auflagen mit ätherischen Ölen wie Thymian und Lavendel zu den bewährten und effektiven Behandlungsmethoden.

  • Bei starkem Husten mit Auswurf: eine Auflage auf dem Brustkorb mit Thymianöl
  • Bei trockenem Husten: eine Auflage auf dem Brustkorb mit Lavendelöl
  • Bei Bronchitis mit hohem Fieber: ein Brustwickel mit Senf- oder Ingwer kann einer Lungenentzündung vorbeugen

Ein Wickel steigert die Durchblutung und Stoffwechseltätigkeit und führt zu einer besseren, sprich tieferen Atmung. Aus diesem Grund vermag ein solcher Wickel auch die Atembeschwerden bei einer chronischen Bronchitis, bei Asthma und sogar bei COPD zu lindern. Die ätherischen Öle im Senfmehl dringen schnell ein und lösen ein intensives Wärmegefühl aus. Damit es bei der Anwendung nicht zu Verbrennungen kommt, ist es wichtig, die Hinweise genau zu befolgen. Anleitungen finden Sie beispielsweise auf www.pflege-vademecum.de.

Ein altes Hausmittel sind auch Brustwickel mit erwärmtem Oliven- oder Sonnenblumenöl. Begünstigt durch die Wärme des Brustwickels dringt das Öl besser in den Körper ein und sorgt dort dafür, dass sich zäher Schleim wieder verflüssigt. Um Verbrennungen zu vermeiden, sollten Sie das Öl nicht zu stark erhitzen.

Hier finden Sie einen ausführlichen Beitrag zum Thema Wickel und Aromatherapie: "Aromapflege zuhause: Wickel, Auflagen und Aromabäder“.

Überwärmungsbad

Bild: CC0 / Yan Krukov / Pexels

Ist das Fieber abgeklungen (unter 38 °C) kann nach Auskunft von Dr. Brauner auch diese traditionelle Behandlungsmethode zu schneller Erholung führen. Während Sie in der heißen Badewanne liegen, trinken Sie zusätzlich schluckweise heißen Lindenblütentee. Durch diese Schwitzkur steigt die Zahl der Leukozyten im Blut an und das Immunsystem wird aktiviert. Der Schleim in Nase und Bronchien beginnt sich zu lösen.

Übrigens: nicht nur warmes Wasser kann den Körper bei der Heilung unterstützen. Mehr zum Thema Anwendungen der Wasserheilkunde finden Sie in unserem Beitrag „Hydrotherapie – Heilen mit Wasser“.

Mehr über das Lungen-Mikrobiom, die Behandlung schwerer Lungenkrankheiten und drei große Gefahren für das wichtige Organ finden Sie in Ausgabe 02/22 von natürlich gesund und munter.

Text: Inge Behrens
Titelbild: CC0 / Motoki Tonn / Unsplash