Informationen

www.gesundes-mv.de
www.hohe-tauern-health.at/de
www.ecarf-siegel.org

 

Foto: Dirk Topel/Die Nordsee GmbH

Endlich durchatmen!

Ostsee oder Nordsee, Hoch- oder Mittelgebirge? Menschen mit Atemwegserkrankungen haben es bei der Wahl ihres Reisezieles nicht leicht. Wir sagen Ihnen, wie es ein gesunder Urlaub werden kann, der lange nachwirkt.

Die allermeisten Menschen atmen regelrecht auf, wenn sich Eis und Schnee verabschieden und endlich der Frühling beginnt. Für Asthmat­iker hingegen hält die schöne Zeit der lauen Lüfte zwiespältige Erfahrungen bereit. Zwar erleich­tert die mildere Witterung auch ihnen das Atmen, nachdem im Winter Kälte, eisiger Wind und trockene, staubige Heizungsluft ihren empfindlichen Atem­wegen besonders zugesetzt haben. Ist das Asthma jedoch die Folge einer Pollen­allergie, bringt der Frühling keine Linderung, im Gegenteil. Wenn sich nach den ersten blühenden Frühlingsboten die Kätzchen an Weidenbäumen und Haselbüschen zeigen, können sich ihre Atembeschwerden sogar verschlimmern. Die Allergene in den blühenden Sträuchern und Gräsern lösen nämlich gar nicht selten Kreuzallergien aus. Dann reagiert das Immunsystem plötzlich nicht allein auf die Pollen bestimmter Pflanzen, sondern auch auf einige Eiweiße in Nahrungs­mitteln empfindlich.

Höhenluft hilft bei Asthma
Am besten reisen Allergiker ins Hochgebirge, wenn durch ihren Wohnort gerade die unerwünschten Pollen schweben. Die Luft dort droben ist Balsam für die Atemwege. Je höher es hinauf geht, desto besser. Denn da, wo außer Nadelhölzern nichts mehr gedeiht, ist die Feinstaub- und Schadstoffbelastung gering. Deshalb profitieren auch Hausstaub- und Tierhaarallergiker gesundheitlich von einem Urlaub in den Alpen ganz besonders. Auch Menschen mit nicht allergischem Asthma sind in Höhenlagen über 1200 Meter bestens aufgehoben. Der niedrige Sauerstoffgehalt der Bergluft zwingt den Organismus zu einer Anpassung, die ähnlich wie ein Ausdauertraining wirkt. Nach einem mehrwöchigen Aufenthalt im Hochgebirge haben die meisten Betroffenen deutlich weniger Beschwerden.

Bei der Lungenkrankheit COPD gelten andere Regeln
Patienten mit chronischer Lungenerkrankung, kurz COPD genannt, rät der Lungenspezialist Dr. Kai-Michael Beeh allerdings von einem Aufenthalt über 900 Metern ab. Für sie wirkt sich der niedrige Sauerstoffgehalt der Luft eher negativ aus und kann sogar Atembeschwerden auslösen. Dazu kommt die Belastung durch die großen Temperaturunterschiede. Auf den Berggipfeln ist es bis in den Frühsommer morgens und abends noch richtig kalt. Mittags dagegen kann sich die Luft schon enorm aufheizen. Daher sind für COPD-Kranke Ferienregionen, in denen ein mildes Klima herrscht, weitaus besser geeignet. Wichtig ist auch, dass die Urlaubsorte gut mit der Bahn oder dem Auto zu erreichen sind, denn auch eine Flugreise birgt Gefahr für die Atemwege. Ihnen tut der niedrige Druck in den Bordkabinen nicht gut, die Luft aus den Klimaanlagen trocknet die Schleimhäute aus und begünstig Infekte – was auch für Hotelzimmer mit Klimaanlagen gilt.

Prima ist Meeresklima
Günstig auf die Atemwege wirkt sich das Reizklima der Nord- und Ostsee aus. Besonders auf Helgoland können Menschen mit Asthma und Allergie aufatmen, ist die Hochseeinsel doch nahezu frei von Pollen, Tierhaaren und Hausstaub. Und auch auf Borkum, der ersten offiziell als „allergikerfreundlich“ zertifizierten Insel, kann sich das Immunsystem beruhigen und gut erholen, da es in dem Hochseeklima so gut wie keine gesundheitsschädigenden Allergene gibt. Die Europäische Stiftung für Allergieforschung, kurz ECARF genannt, die die ostfriesische Insel 2013 auszeichnete, hat noch einige weitere Kommunen und Ferienorte, beispielsweise Baabe auf Rügen, mit einem Siegel gekürt. Auch andere Küstengebiete von Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein und Niedersachsen sind für Allergiker unbedenklich: Zumindest in Brandungsnähe befinden sich keine allergieauslösenden Stoffe. Ein längerer Aufenthalt auf einer Insel oder an der Küste von Nord- oder Ostsee ist auch für Menschen mit chronischer Bronchitis oder COPD eine wahre Wohltat. „Aufgrund der salzhaltigen feuchten Seeluft beginnen sich die Flimmerhärchen in den oberen Atemwegen wieder zu bewegen, der Schleim löst sich und kann abgehustet werden“, erklärt Professor Dr. Dr. Angela Schuh, medizinische Klimatologin an der Ludwig-Maximilian-Universität in München. Manche Menschen mit Lungenproblemen reagieren allerdings überempfindlich auf Wind. Für sie ist die ruhigere Ostseeküste deshalb besser. Weht dort mal eine steife Brise, kann man in die waldreichen Regionen des Hinterlands ausweichen.

Sport im Urlaub stärkt die Lungen
Damit durch die zarten Bronchialäste und die Lunge wieder mehr Luft strömt, reicht es jedoch nicht, nur im Liegen oder Sitzen die frische Meeresbrise zu schnuppern. Lungenexperten wie Dr. Beeh ermuntern nicht nur Asthmatiker, sondern auch von COPD Betroffene, sich mehr zu bewegen. „Schon geringe Aktivität hat extrem positive Auswirkungen auf die Lungenfunktion“, berichtet der Mediziner und Autor des Buchs „Die atemberaubende Welt der Lunge“ (Heyne Verlag). Ob Wandern, Radfahren oder Schwimmen – wer Ausdauersport treibt, kann noch lange nach dem Urlaub gesundheitlich von der Auszeit profitieren. Eine Metastudie hat 2015 erwiesen, dass etwa bei COPD-Patienten sportliche Betätigung nicht nur die körperliche Belastbarkeit steigert, sondern auch die Anfälligkeit für Infekte reduziert. Wer sich bei Strandspaziergängen langweilt, kann das deutsche Mittelgebirge als Wandergebiet entdecken. Ob Bayrischer oder Thüringer Wald, Schwarzwald oder Teutoburger Wald – all diese sauerstoffreichen Landschaften mit ihrem gemäßigten Klima sind ohne allzu große Anstrengung auf fast ebenen Wegen zu erkunden.
In all diesen Gegenden gibt es zahlreiche Luftkurorte und Heilbäder, deren Besuch den Gesundheitsurlaub abrunden kann, denn viele von ihnen bieten Anwendungen für die Atemwege an. Ob nun eine Sole-Inhalation oder ein Heilstollenbesuch Lunge und Bronchien unbeschwerter atmen lassen, sollte vor der Reise oder am Ort mit einem Arzt geklärt werden. Ratsam ist allemal, bei der Krankenkasse nachzufragen, ob sie einen Zuschuss für die gewünschte Behandlung bewilligt. /Inge Behrens

Höhenluft und Höhlenluft – eine optimale Kombination
Doppelt hält bekanntlich besser – und auch länger. Diese Regel gilt offenbar auch für die Therapie von Asthmatikern und Allergikern. Eine 2017 abgeschlossene Studie der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität in Salzburg ergab, dass die Kombination von Bewegung in Höhenluft mit einem Höhlenaufenthalt länger wirksam ist. In der randomisierten Studie untersuchten Forscher 59 Patienten mit allergischen Atemwegsbeschwerden. Neben Hausstauballergikern waren auch Menschen mit Heuschnupfen sowie allergischem Asthma darunter. Während die eine Gruppe in der Ferienregion Nationalpark Hohe Tauern nachmittags nur ein zehntägiges Wintersport-Programm absolvierte, unterzog sich die zweite Gruppe vormittags zusätzlich einer Therapie in einer nahezu schadstofffreien Höhle. Eine dritte Kontroll­gruppe betrieb weder Wintersport noch machte sie eine Klimatherapie. Bei den Teilnehmern beider Gruppen gingen die Entzündungswerte im Blut und den Atemwegssekreten gleich stark zurück. Allerdings wirkten sich die positiven Gesundheitseffekte bei den Höhlengängern deutlich länger aus.

 

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