Informationen

Erlebnisweg Hans-Watzlik-Hain
Nationalparkzentrum
Falkenstein Ludwigstal
Tel. 09922/5002-0

www.bayerischer-wald.de/Media/
Attraktionen/Urwalderlebnisweg-Hans-Watzlik-Hain


Erlebnispfad Bärlochkar
Tel. 07085/7516
www.enzkloesterle.de

Foto: VTG/iStock.com

Wandern in der Wildnis

Klare Luft atmen, zur Ruhe kommen, Stille genießen – die Wanderung in einem Bannwald bietet all dies und noch viel mehr. Im Schutz eines unberührten Waldes sind Sie der Natur ganz nah und erleben, wie Körper, Geist und Seele ihr Gleichgewicht finden.

Drinnen wie draußen, allezeit
und überall werden die Menschen durch Geräusche belästigt, sei es der Verkehrslärm, sei es Fahrstuhlmusik, seien es die Klingeltöne, mit denen Smartphones sich bemerkbar machen. Wer Stille sucht, geht deshalb in den Wald – und zwar aus guten Gründen: „Von dort stammt der Mensch auch. Nicht nur der erste, fast alle Ureinwohner der Erde waren Waldbewohner. Deshalb haben wir Menschen ganz tief in uns das Bild des Waldes“, erklärt der Ethnobotaniker Wolf-Dieter Storl. Im Schutz des Waldes können Menschen all das finden, wonach ihr Körper, ihr Geist und ihre Seele verlangen. In der sauerstoffreichen Waldluft regeneriert sich der ganze Organismus wie von selbst.

Bäume: die Ärzte in Grün
Schon ein Aufenthalt oder eine Wanderung im Wald von nur vier Stunden hat erstaunliche gesundheitsfördernde Effekte: Das Herz schlägt spürbar ruhiger, Blutdruck und Blutzuckerspiegel sinken, wodurch man Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes vorbeugen oder sie zumindest lindern kann. Nach einem Waldaufenthalt geht bei Männern der Adrenalinspiegel um 30 Prozent, bei Frauen sogar um die Hälfte zurück. Wissenschaftliche Studien zur Waldtherapie haben zudem bewiesen, dass ein Tag im Wald die Zahl der natürlichen Killerzellen – wichtige Abwehreinheiten des Immunsystems – um 40 Prozent steigen lässt. Der Effekt hält eine Woche an. Der japanische Immunologe Prof. Dr. Qing Li von der Nippon Medical School in Tokio ist überzeugt, dass ein intensiver und bewusst wahrgenommener Aufenthalt im Wald nicht nur das Immunsystem stärken, sondern sogar vorbeugend gegen Krebs wirken kann.

Unterwegs in der unberührten Naturzone
Einen besonders heilsamen Aufenthalt bietet der wilde Wald – eine von Menschenhand unberührte Naturzone, die sich nach eigenen Gesetzen frei entfalten kann. Vom Wind umgestürzte Bäume bleiben liegen und werden als Totholz alsbald zu einem wichtigen Biotop. Wenn der Mensch den Wald den natürlichen Prozessen des Werdens und des Vergehens überlässt, siedeln sich seltene Tier- und Pflanzenarten an. Solche wilden Wälder gibt es auch hierzulande wieder. Im Nationalpark Bayerischer Wald überlässt man seit 40 Jahren in bestimmten Bezirken die Natur sich selbst. Und auch im Nördlichen Schwarzwald gibt es diese unbewirtschafteten Waldregionen.

Leichte, kurze Tour im Nordschwarzwald
Die drei Kilometer lange wildromantische Rundtour des Erlebnispfads Bärlochkar beginnt und endet am Rande von Enzklösterle, wo sich der Parkplatz des Bannwalds befindet. Seit 1994 wird das 104 Hektar große Waldschutzgebiet Bärlochkar nicht mehr bewirtschaftet und ist somit sich selbst überlassen. Nur der Erlebnispfad wird von umgestürzten Bäumen und abgebrochenen Ästen frei gehalten. Bizarre Baumgestalten wachsen in den Himmel, Flechten hängen von den Ästen, und es riecht nach frischem Moos. Interaktive Schautafeln am Wegrand informieren über die verschiedenen Spezies von Fauna und Flora und erklären viele spannende Details. Die forstliche Versuchsanstalt Baden-Württemberg begleitet die Entwicklung des Bannwalds wissenschaftlich. Von ihr wird alles erfasst, die gesamte Tier- und Pflanzenwelt. Ob Herbst oder Winter, die gesamte Wegstrecke ist nebelfrei, zeitweise ist das Dickicht allerdings fast undurchdringlich. Echtes Urwaldgefühl ist also garantiert. Wer sich Zeit nimmt, benötigt zweieinhalb Stunden. Leider hört man auf dem Weg zum Kar gelegentlich den Straßenlärm der Landstraße, im Wald selbst herrscht aber Ruhe.

Leichte, längere Tour im Bayerischen Wald
Im Nationalpark Bayerischer Wald – dem größten zusammenhängenden Waldgebirge Mitteleuropas – liegt der flächenmäßig größte Urwald Deutschlands. Durch diese wilde Natur führt der knapp 12 Kilometer lange Erlebnisweg zum Urwaldbezirk Hans-Watzlik-Hain. Dort wachsen 100, ja sogar 150 Jahre alte Bäume. Hier ragt die größte Tanne 50 Meter hoch in den Himmel. Die an Eindrücken überreiche Tour, die am Zwieslerwaldhaus beginnt, führt westlich zum Watzlik-Hain und weiter zum Gasthaus Schwellhäusl, wo man einkehren und bayerisch-böhmische Speisen genießen kann – schließlich grenzt der gesamte Nationalpark an Tschechien. Von dort wandert man über den nördlich gelegenen Hochbergsattel und durch wilde Nationalparkwälder nach Bayerisch Eisenstein zurück zum Ausgangspunkt Zwieslerwaldhaus, wo man sich nochmals mit Speisen stärken kann. Die leicht zu bewältigende Route dauert rund viereinhalb Stunden. Die Tour lässt sich variabel um vier Kilometer verlängern, wenn der Wanderer etwa schon beim Nationalpark- und Infozentrum Falkenstein einsteigt.

Ganz tief ein- und ausatmen
Urwaldregionen wie diese sind besonders reich an biochemischen Botenstoffen, den sogenannten Terpenen, mit deren Hilfe die Bäume untereinander kommunizieren und einander etwa vor Schädlingsattacken warnen. Ein wahres Molekülemeer! Viele dieser sogenannten sekundären Pflanzenstoffe sprechen auch die menschlichen Sinne an. Und es kann sein, dass Menschen sich deshalb auch zu einer bestimmten Baumart hingezogen fühlen.
Das klingt zunächst ein wenig esoterisch. Aber tatsächlich haben wissenschaftliche Studien aus Japan belegt, dass unser Organismus sich aus der Fülle an Terpenen genau diejenigen heraussucht, die das Immunsystem schützen, stark machen und ihm helfen, sich zu regenerieren. Um herauszufinden, wie Bäume auf uns wirken, sei es wichtig, erst einmal still zu sein und nicht einfach loszumarschieren, erklärt der Pflanzenkenner Storl. Jede Baumart erzeugt bestimmte Eindrücke. Wenn Wolf-Dieter Storl seine Seminarteilnehmer in den Wald führt, rät er ihnen, erst einmal die eigenen Gedanken gehen zu lassen. Immer wieder erlebt er in seinen Waldworkshops, wie schnell die sauerstoffreiche Luft Wohlgefühl und Gesundung ermöglicht. „Fast jeder, der im Wald ist, kommt tief berührt und zufrieden zurück.“ /Inge Behrens

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